Dienstag, 28. Juli 2009

Unser Fahrer hat 'ne Meise aber Rückenwind!

Wir sind spätestens seit unserer Ninxia/Inner Mongolia-Tour (das war der Wochenendausflug in die Tengger Wüste) auf Kamikazebusfahrten eingestellt.

Und da wir seit ein paar wenigen Wochen nun auch SELBER in Beijing und um Beijing herum den kleinen grünen Drachen fahren, kann uns in Sachen Verkehrschaos und Chaotenfahrer so schnell nichts aus der Ruhe bringen.

Auch nicht die 4-stündige Fahrt von Saigon nach MüiNe mit dem VietKongBusDriverFromHell (links) am Steuer. Aber sagen muss ich schon, dass hier im Süden von Vietnam die motorisierten Verkehrsteilnehmer einfach nochmal 'nen Zacken zulegen und den größeren Sprung in der Schüssel haben.

Fahren sie in Beijing Auto als ob sie Fahrradfahren, fahren sie hier, als ob immer noch Krieg wäre, und man auf der Flucht ist oder einfach möglichst schnell und holprig den Weg hinter sich bringen muss, weil man verfolgt wird, oder jemanden verfolgt, auch wenn die Straßen komplett verstopft sind.

Als Fußgänger bewegt man sich zügig ohne Hast, aber wie gesagt, wenn man das mal im dicken B 'ne Weile gemacht hat, dann geht das auch hier. Stehenbleiben ist hier wie da lebensgefährlich und sollte unterlassen werden, genauso wie jede spontane schnelle Bewegung in eine andere Richtung als die, die beim Überqueren der Strasse eingeschlagen wurde. Die Mopedfahrer bremsen nicht, sondern weichen aus und erwarten, dass man weitergeht.

Man erzählt sich, es gibt eine Kampagne, die die Gehwege von den rasenden Mopeds befreien will. Gehwege in Saigon in Zukunft also nur noch für Fußgänger und Caféhausstühle und Straßenverkäufer, yuck. Na, da da schaun mer mal wieder vorbe, nächstes Jahr, würd ich sagen. Ich freu mich schon das Spektakel kommendes WoEnde am Abend mit nem kühlen Saigon-Bier in der Hand zu bestaunen, da werden wir 2 Nächte in HCMC verbringen, bevor es wieder nach Hause geht.

Wir sitzen weiter hinten im Bus, so dass wir bequem rechts raus die Landschaft bewundern können, ist auch gesünder, als 4 Stunden künstlich auf Adrenalin gehalten zu werden, weil man vorne einen Platz ergattert hat. Die Tickets sind eh mit Sitzplatzreservierung, und das ist fein so. Ein Platz vorne, am besten hinter dem Fahrer, ist mir zwar im Prinzip der Liebste, da dort weniger Gewackel, und deswegen weniger Kotzbrechgefahr, aber mir wird in Asien nicht schlecht im Überlandbus.

Ich kann nicht kotzen während ich Angst um mein Leben, oder das von anderen Verkehrsteilnehmern habe, bzw. wenn die Aussicht so anders und toll ist, dann bin ich viel zu sehr mit Staunen beschäftigt oder ärgere mich, dass ich nicht schnell genug die Kamera schussbereit habe, und bin insgesamt einfach viel zu glücklich zum Reiern.

Wir überqueren den Mekong, hier eine ziemlich braune, schlammige Soße, und es dauert fast eineinhalb Stunden, bis wir den Großraum von HCMC verlassen haben. Nicht weil die Stadt so groß ist, ist sie schon, aber verglichen mit unserem Beijing dann doch nicht wirklich, sondern weil wir mehr stehen als fahren, der morgendliche Verkehr ist zäh, und hier gibt es keine sechsspurige Stadtautobahn, die die Blechlawine schneller voranbringen könnte.
Die Autos stehen zweispurig in unsere Richtung, ab und zu bricht der Fahrer auf den unbefestigten Seitenstreifen aus, der 4 Meter breit ist und gleichzeitig als Bürgersteig, Parkplatz, Überholspur für Mopeds und Ladengeschäft dient. Mühsam ernärt sich das Eichhörnchen.

Als wir einigermaßen aus der Stadt raus sind und wider Erwarten keinerlei Mopedfahrer zwischen uns und nem anderen Bus/Laster/Auto zerquetscht haben, kann man auf den Sitzen der leeren hintersten Reihe sogar ein Nickerchen machen. Arndt zieht mit dem Einheimischen im Nickerchen-Wettbewerb zunächst gleich, und überholt ihn sogar. Die Disziplin Wer-schnarcht-am-Lautesten gewinnt dann wieder der Vietnamese.

Wir machen eine kleine Pause, zum Auftanken und Pinkeln, und Vorräte auffüllen. Die Toiletten sind hier Schüsseln, und man tauscht die Strassenschuhe gegen Badeschlappen aus, bevor man eintritt. Das Papier wird aber auch hier in der Regel im Eimer daneben gesammelt, und nicht in die Toilette geworfen.

Es ist sehr grün hier in Vietnam, eine Augenweide, wenn man sonst den ganzen Tag von Hochhäusern und Beton umgeben ist. Die ganze Gegend hier ist eine Wohltat für unsere Augen und die Nasen!

Je näher wir MüiNe kommen, desto mehr Drachfrucht-Plantagen säumen links und rechts die Straße. Die langen und eher schmalen kaktusartigen Blätter werden an kurzen Betonpfeilern hochgebunden und wachsen in buschförmige Gewächse, einem Medusenkopf nicht unähnlich. Wie bei den Orangen hängen auch bei der Drachenfrucht-Medusa Blüten und Früchte gleichzeitig in voller Pracht am Baum.

Und ich geh jetzt wieder zu den Kokosnüssen auf meine Lieblingsliege. Arndt hat hoffentich schon seine zweite Kite-Surf-Lern-Stunde durchziehen können, ist ja immer vom perfekten Wind abhängig, oder hängt einfach noch 'ne Weile mit den genauso coolen Jungs von Windchimes nebenan ab. (Die haben 'ne WebCam, vielleicht könnt ihr ihn ja sehen.)
Ich hab heute schon gelernt wie man den oberleckeren "CaPhe Sua Da" zubereitet.
Ja, ungefähr SO stressig hab ich mir unserem Urlaub am Meer vorgestellt.
Vietnam rocks!

Montag, 27. Juli 2009

Morgens um Sechs in HoChiMinhCity..



Wir machen uns nach einem leckeren Frühstück (u.A. Sommerrollen und Chicken Curry, und Drachenfrucht zum Abwinken) auf den kurzen Weg zur Bushaltestelle. Auf an den Strand! Aber wer hier zu Fuß geht, der ist in der Regel, lebensmüde. Früh am Morgen und mit Beijing als Ausbildungslager haben wir diese Mission spielend gemeistert.

"Die spinnen, die Vietnamesen!", hätte Asterix gesagt. Zum einen gibt's hier nämlich kaum Fahrräder. Alles Mensch besitzt ein Moped, Mofa oder Motorrad. Und wenn in Beijing eine vierköpfige Famile aufs Rad passt, dann passt die hier genausprima auf's Töfftöff.

Zum anderen fährt wer nicht selber motorisiert ist, mit den Moped-Taxis zu seinem Ziel. Die sind viel günstiger als die Auto-Taxis (da sind wir von Beijing, was den Preis angeht so was von verwöhnt!), und bei Stau in der Stadt auch noch viel schneller am Ziel.

Kaum ist man aus dem Hotel raus, und will mal zu Fuß die Gegend erkunden, (ach herrjeh, wer macht denn sowas hier?) wird man auch schon von den entweder auf dem Gehweg wartenden, oder langsam vorbeifahrenden, breit grinsenden Jungs gefragt "Want moto?", oder "Can I help you?". Vietnamesen sind übrigens viel hübscher als der Chinese an sich, nur dass das mal gesagt ist.

Noch sind wir nicht mitgefahren, da ich das Hotel in HCMC so praktisch ausgesucht hab, dass zum Sinh Café nur 200 Meter zu Laufen waren.

Die meisten Bus- und Ausflugsagenturen heissen hier "XYZ Cafe", wie spleening! Es gibt aber immer ein echtes Cafe daneben oder gegenüber, das dazugehört, wie äußerst praktisch! Denn der Vietnamesische Kaffee (ob nun auf Eis oder heiss) ist der beste der Welt! Zumindest der Welt, in der ich schon war und Kaffee getrunken habe! Sorry, Karl!

Wo Menschen abfahren und ankommen, kann man immer auch einiges "on the fly" erwerben. Lychee-Unter und Oberarten, oder..

..Reiseführer wie den Lonely Planet bspw., aber jetzt brauchen wir den auch nicht mehr, haben hier fast überall freies Wi-LAN, und Wikitravel ist ja schon ganz prächtig gediehen, wir werden die Artikel für Müi Ne sicher helfen zu erweitern.

Der Namenstrend der Agenturen scheint jedoch langsam abzuebben, bspw. ist die Busagentur unserer Wahl momentan dabei sich von "SinhCafe" (so heisst dann nur noch das Cafe nebenan das gerade renoviert wird und deswegen vorübergehend nach gegenüber umgezogen ist) zu "TheSinhTourist" umzubenennen. Ob das so gut klappt wie mit der Neutaufe von Saigon?


Leider haben wir bei all dem Spaß und der Freude, dass alles hier so schön neu und laut und bunt ist, und wir so kurzfristig (es ist 06:10 morgens) und problemlos zwei Plätze für den nächsten Direktbus (Abfahrt um 07:45, in eineinhalb Stunden) nach Müi Ne bekommen, irgendwo in HCMC die gelbe Tüte mit dem roten Drachen drauf und dem 7 Jahre alten Havana Club drin stehen lassen. Mei, ein bisschen Schwund gibt's eben immer, und solange es nur der Rum ist...

Der Rumverlust hat uns dann spätestens gestern Abend nach zwei großen Tigern und den Cocktails-statt-Nachtisch überhaupt nicht mehr tangiert.

Sonntag, 26. Juli 2009

Good morning, Vietnaaaaaaaaaam!

Gestern (Samstag) in Saigon aufgewacht. Good morning, Vietnam! Draussen ist es heiss und feucht, aber noch sehr angenehm um halb sechs Morgens. Wir freuen uns den Arsch ab, endlich mal wieder zusammen im Urlaub zu sein! Nix wie los, und vor dem Frühstück schnell noch die Bustickets an den Strand klarmachen.


Am Donnerstag mittag in Beijing entschieden und gebucht und mit 'nem halben Kilo rosa Maogesichter Bar bezahlt.



Am Freitag in Beijing wegen Sommergewitter und Wolkenbruch doch etwas länger auf den Flieger warten müssen, aber wir sind ja nicht doof, der Duty Free Shop bietet alles, was des Wartenden Herz' braucht.



Gate5 heisst unsere Bar, hat sehr bequeme Sessel, Barman Arndt mixt 7-Jahre alten Havana Club mit Coca-Cola in Plastikbechern von Vietnam Arilines, die als Wartezehrung Softdrinks verteilen. Unser Softdrink heisst jetzt "HoChiMinh libre". *Hicks*.

Landung in Hanoi um halb elf Uhr nachts, *gähn*. Superschnell und noch viel superfreundlicher durch den Flughafen der Hauptstadt der Sozialistischen Republik Vietnam geschleust worden:
1. Einreiseprozedur, inklusive Blitzvisum in weniger als 5 Minuten (Zitat vom Fluggesellschaft-Mann beim Visumsschalter: "NOW sign!", da war der Wisch nicht mal im Ansatz ausgefüllt!) und für 50 US$ für 2 Visa ein echtes Schnäppchen.)
2. Gepäckstück (wir haben zusammen einen Koffer und der wiegt 15 Kg) vom Band holen, durch den Zoll schieben und 100 Meter weiter wieder einem anderen netten, freundlich lächelnden Vietnamesen übergeben.
3. Zum Check-In für den Flug von Hanoi nach Saigon (ich schreib jetzt Saigon, denn kein Mensch sagt hier HCMC oder HoChiMinhCity, sogar die Tankstellen heissen "Saigon Petrol" und die Busse fahren "Saigon - Müi Ne - Saigon'" usw.) begleitet worden, und ab ans Gate, wo auch schon das Boarding begonnen hat, als wir um die Ecke biegen. Wir sind die Könige des Timings, und SO fühlt sich Urlaub an, jawoll.
Und weil's wirklich suuuperschnell ging, gibts kein einziges Foto! "Huuusch-huuusch war'n wir auch schon wieder draussen, aus Hanoi!"


Und ich geh jetzt erstmal an den Strand, auf die vierte oder fünfte Liege von links, da wartet Arndt schon mit zwei frischen Kokosnüssen. Denn ich schreibe von der Veranda unserer Holzhütte aus. Das mit den Bustickets hat gestern nämlich ganz hervorragend funktioniert. Die Kamikaze-Busfahrt haben wir auch überlebt, Spitzen-Frühstück gab's auch schon und mehr Bilder und Text gibt's später, wenn ich genug geschwommen und geschwitzt habe.