Wir sind spätestens seit unserer Ninxia/Inner Mongolia-Tour (das war der Wochenendausflug in die Tengger Wüste) auf Kamikazebusfahrten eingestellt.

Und da wir seit ein paar wenigen Wochen nun auch SELBER in Beijing und um Beijing herum den kleinen grünen Drachen fahren, kann uns in Sachen Verkehrschaos und Chaotenfahrer so schnell nichts aus der Ruhe bringen.

Auch nicht die 4-stündige Fahrt von Saigon nach MüiNe mit dem VietKongBusDriverFromHell (links) am Steuer. Aber sagen muss ich schon, dass hier im Süden von Vietnam die motorisierten Verkehrsteilnehmer einfach nochmal 'nen Zacken zulegen und den größeren Sprung in der Schüssel haben.

Fahren sie in Beijing Auto als ob sie Fahrradfahren, fahren sie hier, als ob immer noch Krieg wäre, und man auf der Flucht ist oder einfach möglichst schnell und holprig den Weg hinter sich bringen muss, weil man verfolgt wird, oder jemanden verfolgt, auch wenn die Straßen komplett verstopft sind.

Als Fußgänger bewegt man sich zügig ohne Hast, aber wie gesagt, wenn man das mal im dicken B 'ne Weile gemacht hat, dann geht das auch hier. Stehenbleiben ist hier wie da lebensgefährlich und sollte unterlassen werden, genauso wie jede spontane schnelle Bewegung in eine andere Richtung als die, die beim Überqueren der Strasse eingeschlagen wurde. Die Mopedfahrer bremsen nicht, sondern weichen aus und erwarten, dass man weitergeht.

Man erzählt sich, es gibt eine Kampagne, die die Gehwege von den rasenden Mopeds befreien will. Gehwege in Saigon in Zukunft also nur noch für Fußgänger und Caféhausstühle und Straßenverkäufer, yuck. Na, da da schaun mer mal wieder vorbe, nächstes Jahr, würd ich sagen.
Ich freu mich schon das Spektakel kommendes WoEnde am Abend mit nem kühlen Saigon-Bier in der Hand zu bestaunen, da werden wir 2 Nächte in HCMC verbringen, bevor es wieder nach Hause geht.

Wir sitzen weiter hinten im Bus, so dass wir bequem rechts raus die Landschaft bewundern können, ist auch gesünder, als 4 Stunden künstlich auf Adrenalin gehalten zu werden, weil man vorne einen Platz ergattert hat. Die Tickets sind eh mit Sitzplatzreservierung, und das ist fein so. Ein Platz vorne, am besten hinter dem Fahrer, ist mir zwar im Prinzip der Liebste, da dort weniger Gewackel, und deswegen weniger Kotzbrechgefahr, aber mir wird in Asien nicht schlecht im Überlandbus.

Ich kann nicht kotzen während ich Angst um mein Leben, oder das von anderen Verkehrsteilnehmern habe, bzw. wenn die Aussicht so anders und toll ist, dann bin ich viel zu sehr mit Staunen beschäftigt oder ärgere mich, dass ich nicht schnell genug die Kamera schussbereit habe, und bin insgesamt einfach viel zu glücklich zum Reiern.

Wir überqueren den Mekong, hier eine ziemlich braune, schlammige Soße, und es dauert fast eineinhalb Stunden, bis wir den Großraum von HCMC verlassen haben. Nicht weil die Stadt so groß ist, ist sie schon, aber verglichen mit unserem Beijing dann doch nicht wirklich, sondern weil wir mehr stehen als fahren, der morgendliche Verkehr ist zäh, und hier gibt es keine sechsspurige Stadtautobahn, die die Blechlawine schneller voranbringen könnte.
Die Autos stehen zweispurig in unsere Richtung, ab und zu bricht der Fahrer auf den unbefestigten Seitenstreifen aus, der 4 Meter breit ist und gleichzeitig als Bürgersteig, Parkplatz, Überholspur für Mopeds und Ladengeschäft dient. Mühsam ernärt sich das Eichhörnchen.

Als wir einigermaßen aus der Stadt raus sind und wider Erwarten keinerlei Mopedfahrer zwischen uns und nem anderen Bus/Laster/Auto zerquetscht haben, kann man auf den Sitzen der leeren hintersten Reihe sogar ein Nickerchen machen. Arndt zieht mit dem Einheimischen im Nickerchen-Wettbewerb zunächst gleich, und überholt ihn sogar. Die Disziplin Wer-schnarcht-am-Lautesten gewinnt dann wieder der Vietnamese.

Wir machen eine kleine Pause, zum Auftanken und Pinkeln, und Vorräte auffüllen. Die Toiletten sind hier Schüsseln, und man tauscht die Strassenschuhe gegen Badeschlappen aus, bevor man eintritt. Das Papier wird aber auch hier in der Regel im Eimer daneben gesammelt, und nicht in die Toilette geworfen.

Es ist sehr grün hier in Vietnam, eine Augenweide, wenn man sonst den ganzen Tag von Hochhäusern und Beton umgeben ist. Die ganze Gegend hier ist eine Wohltat für unsere Augen und die Nasen!

Je näher wir MüiNe kommen, desto mehr Drachfrucht-Plantagen säumen links und rechts die Straße. Die langen und eher schmalen kaktusartigen Blätter werden an kurzen Betonpfeilern hochgebunden und wachsen in buschförmige Gewächse, einem Medusenkopf nicht unähnlich. Wie bei den Orangen hängen auch bei der Drachenfrucht-Medusa Blüten und Früchte gleichzeitig in voller Pracht am Baum.

Und ich geh jetzt wieder zu den Kokosnüssen auf meine Lieblingsliege. Arndt hat hoffentich schon seine zweite Kite-Surf-Lern-Stunde durchziehen können, ist ja immer vom perfekten Wind abhängig, oder hängt einfach noch 'ne Weile mit den genauso coolen Jungs von
Windchimes nebenan ab. (Die haben 'ne WebCam, vielleicht könnt ihr ihn ja sehen.)
Ich hab heute schon gelernt wie man den oberleckeren "CaPhe Sua Da" zubereitet.
Ja, ungefähr SO stressig hab ich mir unserem Urlaub am Meer vorgestellt.
Vietnam rocks!